HALMASPIEL

Der Kurzfilm "Halmaspiel" erzählt mit animierten Fundstücken aus dem Familienfundus über das Leben meiner Mutter, einer Modegestalterin in der DDR.
Ihr Gesellenstück als Schneiderin aus den Fünfzigerjahren hat sie aufbewahrt, ebenso Aquarelle mit Modeentwürfen der Diplomarbeit.

Animationssequenzen von Spielfiguren, Stoffblumen, Modezeichnungen, Schnittmustern, autobiografischen Notizen, Papiertüten, Prozessakten sowie medizinischen Bildern schichten sich in dieser filmischen Collage. Sie beschreiben eine Biografie im 20. Jahrhundert: Das Aufwachsen in der NS-Zeit, die Jugend im Nachkriegsdeutschland, den Mauerbau und das Leben in der DDR sowie nach dem Mauerfall im vereinten Deutschland. Es ist eine Geschichte von Flucht und Anpassung, Mitspielen und Zweifeln.

 

Collagierte Assoziationen aus Fundstücken. Die eigene Familie, drei Deutschlands mitsamt seiner tückischen Unterkapitel, der Geschmack des Lebens. Die Mutter war eine leidenschaftliche Halmaspielerin. Einerseits. Andererseits schneiderte sie und war Modegestalterin in der DDR. Ihr Gesellenstück: eine Näherei mit Paspeln, Biesen, Riegeln und Ausschnittstickerei. Allein schon dafür, dass sich diese totgeglaubten Worte hier so zart reanimiert finden, muss man diesen Film lieben. Neben allem anderen!

Ralph Eue, DOK Leipzig 2017